Der Winzling

Einsiedlerkrebs

Kleiner Krebs vom Nordseestrand,

kribbelnd krabbelst du in meiner Hand

auf spitzen Beinchen. 

Blass ragen sie aus deiner Burg heraus 

– ein geschecktes Schneckenhaus –

vom Eigentümer aufgegeben.

Darin fühlst du dich geborgen,

genug geschützt, um ohne Sorgen

im salzsandigen Wasser umher zu flitzen.

Betaste ich dich mit Fingerspitzen,

ziehst du dich blitzschnell zurück

tief ins gewundene Häuschen hinein,

hältst still, stellst dich tot

bis die wassermangelnde Not

dich aufgebracht strampeln lässt um dein Leben.

Trotz gepanzertem Schneckenhaus

wirkst du zerbrechlich, wie feinstes Porzellan

so zart, so filigran

und dennoch wunderbar wendig,

unbekümmert lebendig,

gänzlich hingegeben dem Augenblick.

Davon ein Stück

nehm ich mir mit.

Herzlichen Willkommen

Liebe Leserin, lieber Leser

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Reinhart Thamm